Ein Interview mit Björn Friedrich über neue Wege im Training
Björn Friedrich ist ein erfolgreicher Lehrer für Brazilian Jiu Jitsu und Fighter-Fitness, einem sehr effektiven, schnell Erfolge bringendem Fitness-Systeme. Obwohl er sich selbst als Grappler sieht, scheut er sich nicht über den Tellerrand zu schauen und Dinge die funktionieren in sein Training zu integrieren.
Das Interview mit Björn Friedrich wurde am 2. August 2009 von Karl-Heinz Klug geführt
Karl-Heinz: Es ist seit Deinem ersten Treffen mit Torsten Kanzmeier einiges an Zeit vergangen und Du hast auch mit Alex Kostic Systema trainiert. Könntest Du bitte beschreiben, ob und wie sich die Beschäftigung mit den sogenannten “inneren” Stilen auf Dein Training und Deinen Unterricht ausgewirkt haben.
Björn Friedrich: Für mich persönlich hat sich im letzten Jahr viel geändert. Ich würde nicht sagen, das ich durch mein Training mit Alex und Torsten, ein vollkommen neuer Kämpfer geworden bin, aber die Perspektiven, Ziele und Möglichkeiten die ich mittlerweile für mich sehe, sind unglaublich.
Darüber hinaus hat sich mein Training und mein Unterricht zu einem großen Teil verändert, zumindest was das reguläre Training in meiner Akademie betrifft. Während die letzten Jahre von Begriffen wie Technik, Strategie, Gameplan und rationalem Verstehen geprägt waren, geht es mir heute mehr um spontane Bewegungen, Fühlen, Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, Improvisation und Flow.
Vom rein technischen Training hat sich viel in Richtung Drill und wie Alex Kostic es nennt „Child Play“ entwickelt, eine spielerische und trotzdem dynamische und freie Form des Kämpfens.
Karl-Heinz: Kommen Deine Schüler mit den “inneren” Methoden klar? Wird das angenommen, oder stößt Du auf Verständnisprobleme?
Björn Friedrich: Das ist von Schüler zu Schüler sehr unterschiedlich. Viele können damit nichts anfangen, einige konnten sich zwar von der Effizienz dieser Methode überzeugen, aber haben nicht die Muse diese Dinge selber zu erlernen und ein paar sind offen und arbeiten mit mir auch außerhalb des BJJ an diesen Konzepten.
Ich denke das Alter spielt auch eine sehr große Rolle bei der Motivation für die verschiedenen Kampfkünste. Ich kann nicht erwarten das meine achtzehnjährigen Schüler ihre körperliche Energie beiseite schieben und sich für mehr oder weniger abstrakte Konzepte einlassen. Ich hätte das wohl in diesem Alter auch nicht gemacht.
Karl-Heinz: Wenn Du bei der Vermittlung dieser Methoden auf Probleme stößt, welche sind das?
Björn Friedrich: Das größte Problem liegt wohl darin, dass wir in unserer Gesellschaft darauf konditioniert wurden, die Ursachen für irgendwelche Dinge immer in Äußerlichkeiten zu finden. Für die meisten Menschen ist ein guter Würgegriff oder Hebel einfach effektiv, weil es eine gute Technik ist und um selber damit kämpfen zu können, wollen Sie einfach nur die Techniken lernen.
Für mich ist Kämpfen, eigentlich „nur“ Bewegung und gute Bewegungen sind Ausdruck bestimmter Prinzipien, klar ist es hilfreich, konkrete Techniken zu lernen, gerade wenn man am Anfang des Trainings steht, aber ich denke eben, das wirkliche kämpferische Leistung, jenseits von Technik liegt. Es gibt soviele weltklasse Jiu Jitsu Leute aus Brasilien, die offen zugeben, rational gar nicht zu verstehen was sie da genau machen, sie können es einfach, der Körper erlaubt ihnen natürliche, spontane Bewegungen. Interessanterweise ist gerade bei den Brasilianern das spielerische Sparring weitaus verbreiteter als bei den oft so ergebnisorientierten Europäern oder Nord-Amerikanern.
Aber zurück zum Thema, die schwierigste Hürde ist wie gesagt die, den Leuten klar zu machen, dass eine bestimmte Visualisierung, eine Atemtechnik, oder eine gerade Haltung, ihr komplettes Spiel verändern kann und das es weniger um Techniken, als um Prinzipien geht.
Darüber hinaus ist auch das Ego immer mal wieder ein Problem, denn spielerisches Kämpfen, funktioniert nur wenn das Ego komplett draussen bleibt.
Karl-Heinz: Ich bemühe mich regelmäßig Grappling in mein Training einzubauen und trainiere da mit Leuten aus allen möglichen Stilrichtungen. Dabei ist mir im Training mit einem Deiner Schüler aufgefallen, dass sehr viel Wert auf einen geraden Rücken gelegt wird. Was besonders wenn man sich in der Gard befindet eine Struktur bringt, die schwer zu brechen ist. Ist das etwas, was Du aus den “inneren” Stilen übernommen hast?
Björn Friedrich: Wenn es etwas gibt mit dem ich meinen Schülern auf die Nerven gehe, dann sind es die Worte Haltung und Atmung, dicht gefolgt von dem Wort Fühlen .:-)
Es ist interessant das du das ansprichst, denn eine gerade Haltung ist wirklich so extrem wichtig, da Sie dein ganzes Kampfverhalten am Boden ändern kann. Inspiriert wurde ich dazu zu einem Teil durch die russischen Kampfkünste, aber zu einem großen Teil auch durch das Kettlebell Training. Eigentlich ist es doch offensichtlich. Beim westlichen Krafttraining, Yoga, Pilates, Kettlebell Training und bei den russischen und einigen anderen Kampfkünsten spielt ein gerade Rücken eine wichtige Rolle, aber in den meisten Kampfkünsten wird Haltung vollkommen ignoriert. Keiner würde auf die Idee kommen eine schwere Hantelkniebeuge mit Rundrücken auszuführen, aber in den Kampfkünsten sieht man sehr oft Rundrücken und hochgezogenene, verkrampfte Schultern.
Karl-Heinz: Wie werden diese Methoden von Deinen Schülern, die an Wettkämpfen teilnehmen, angenommen?
Björn Friedrich: Keiner meiner Schüler direkt aus der Akademie hat dieses Jahr bisher an einem Wettkampf teilgenommen, so kann ich dazu noch nichts sagen, aber ich denke, die Vorteile von dem was sich in meiner Schule langsam entwickelt, sind sowieso eher langfristiger Natur. Vor kurzem hatten wir gerade einen Schüler, einer anderen großen Grapplingschule bei uns zu Gast und der war vollkommen verwundert darüber wie viel wir uns Bewegen und mit dem Fluß gehen.
Das ist eigentlich auch die größte Veränderung die ich bei mir selber feststellen konnte. Von jemanden der sehr gerne gehalten und kontrolliert hat, bin ich zu einem Kämpfer geworden, der mehr Vertrauen hat, mit dem Fluß geht und immer in Bewegung ist. Es klappt nicht immer, aber es gibt durchaus Momente, in denen mein BJJ 100% unbewusst ist und ich einfach nur noch reagiere und genau das motiviert mich mit den inneren Kampfkünsten weiter zu machen.
Karl-Heinz: Interessant wie Du das beschreibst, den Zustand kenne ich gut. Im japanischen nennt man das Mushin und im chinesischen Wuxin. Beides meint emotionslos, ohne Angst, Hass, Ego, eigentlich geistig vollkommen “leer” oder besser “frei” zu sein und dadurch unmittelbar und ohne jede Verzögerung agieren zu können, frei von vorgefertigten Techniken, die man nur abruft und vor allen Dingen frei von Konditionierungen. In den japanischen Kampfkünsten wird diese Fähigkeit von vielen als die höchste Kunst angesehen. Kannst Du mit der Definition etwas anfangen? Wenn Du im “Flow” bist, hast Du dabei manchmal das Gefühl Dich selbst ohne jede Bewertung zu beobachten, während “es” einfach perfekt läuft?
Björn Friedrich: Das trifft es schon ganz gut. Ich würde es eher als Gefühl bezeichnen. Ich weiß automatisch was ich tue,ich fühle einfach die richtige Bewegung, oder Position. Im BJJ ist es wirklich interessant solche Erfahrungen zu machen, weil man sofort inne halten kann, um das Ergebnis zu beobachten. Wenn ich also aus diesem Flow heraus in irgendeinem Hebel ende, der mir so noch nie passiert ist, ist das quasi ein greifbares Ergebnis, des Zustandes in dem ich da bin.
Es geht definitiv nicht um vorgefertigte Techniken, alles passiert spontan aus dem Moment heraus. Inspiriert durch Alex Kostic hab ich mich viel mit Bioenergetik nach Alexander Lowen befasst und da wird auch immer wieder unsere “animalische”, instinktive Seite beschrieben, bzw. die Nachteile von zuviel “Kopflastigkeit” aufgezeigt. Ich denke genau darum geht es, weg vom Rationalen, hin zum Fühlen, wie Torsten Kanzmeier immer so schön sagt.
Karl-Heinz: Ich denke ich verstehe, was Du mit Flow meinst. Um es etwas genauer herauszuarbeiten, möchte ich mal ein Training, das auf Konditionierung aufbaut ansprechen. Nach allen was Du in den Jahren als Kämpfer und Trainer erfahren hast, glaubst Du, dass man durch Konditionierung einer festen Technik / Reaktion durch immer wieder wiederholtes Einüben der selben Bewegung auf einem hohen Level weiter kommt, oder sollte man sich besser davon lösen? Ich bezeichne das Ergebnis dieser Art des Trainings immer gerne als “Bewegungsgefängnis”, weil man eine Art “robotische” Reaktion konditioniert, die man nur schwer wieder los wird. Wie ist Deine Meinung dazu.
Björn Friedrich: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Ich denke schon das man als Kämpfer mit den herkömmlichen Methoden erfolgreich sein kann, dafür gibt es ja genug Beispiele. Wenn jemand im Kopf nicht so offen ist, sollte er lieber bei den alten Methoden bleiben, ich glaube zwar schon das das volle Potential nur außerhalb von Techniken und bewusstem Denken erreicht werden kann, aber lieberman nutzt “solide Hausmannskost” als eine Methode die zu abstrakt für das eigene Denken ist.
Ich habe im Laufe der Jahre die Erfahrung gemacht, dass es auf beiden Seiten Stolperfallen gibt. Auf der einen Seite hat man die äußeren Stile, die immer nur das trainieren wollen, was auch sofort im “echten Kampf” funktioniert. Auf der anderen Seite hat man viele “Traumtänzer” die Bewegungen kopieren und nie wirklich fighten können.
Ich für meinen Teil kann sagen, dass es mich nicht mehr befriedigt, einfach nur Techniken zu trainieren. Ich liebe es das “Child Play” und verschiedene andere Flow-Drills auszuüben und dabei den Körper arbeiten zu lassen und zu improvisieren. Da gebe ich dir recht, es ist ein Bewegungsgefängnis, wenn man auf der technischen Stufe bleibt, aber nicht jeder schafft es sich vollkommen davon zu befreien.
Und für mich ist es auch eine gewisse Sicherheit auf Techniken zurückgreifen zu können, wenn alles schief geht. Ich sehe da so eine Leiter, auf der untersten Stufe steht die rohe Kraft und Konditionierung, danach kommt die Technik und auf der höchsten Stufe ist das formlose Kämpfen im Hier und Jetzt. Wie Bruce Lee schon sagte: Fighting ist an expression of yourself. Man tut nicht Kämpfen, man ist der Kampf.
Das höchste Ziel ist es frei in seinem Körper und Geist zu sein, aber meistens fängt alles mit roher Kraft an. So war es zumindest bei mir. Vom körperlichen, zum technischen, hin zu der Umsetzung innerer Prinzipien und Philosophien.
Karl-Heinz: Wie sieht Dein Schlagtraining aus?
Björn Friedrich: Ich bin ein Grappler, von daher hält sich mein Schlagtraining in Grenzen, ich arbeite ab und zu an meinen ballistischen Schlägen und nutze die Bewegungen des Schlagens, gerade am Boden, um noch mehr Bewegungen zu entdecken und noch freier zu werden. Da ist es oft sehr nützlich sich nicht nur aufs Greifen festzulegen, sondern alle Möglichkeiten des Körpers auszuloten.
Karl-Heinz: Gut das Du das ballistische Schlagen erwähnst. Val Riazaonv hat ja einiges über die russische Schlagschule veröffentlicht, was ich so auch aus den inneren Kampfkünsten kenne. Meiner Meinung nach sind viele dieser Ideen besonders im MMA / Grappling Bereich interessant. Gerade in Situationen wie in einem engen Clinch oder im Ground und Pound, wo man wegen der eingeschränkten Beweglichkeit des Körpers bzw. wegen der sitzenden Position kaum noch mit konventionellen Methoden wirkungsvoll Schlagen kann, müsste das ballistische Schlagen ohne großen Körpereinsatz und trotzdem durchschlagender Wirkung doch eine Offenbarung sein, weil es vollkommen neue Möglichkeiten eröffnet. Wie siehst Du das?
Björn Friedrich: Ganz genau, ich denke auch das diese Schläge ideal für den Infight und den Kampf am Boden sind, allerdings braucht es seine Zeit sich an diese Methode zu gewöhnen, aber der Effekt, selbst nach kurzer Zeit ist schon verblüffend. Die Schläge gehen wirklich in den Körper anstatt nur die Oberfläche zu treffen. Ich weiß nicht ob das so gut mit Handschuhen funktioniert, aber was wir ohne Handschuhe getestet haben hat mich überzeugt. Aber nicht nur ballistisches Schlagen ist interessant. Ich kann mich gut erinnern als mir Alex Kostic aus der offenen Guard in der Bodenlage einen Kick verpasst hat. Die Schwere seines Beins hat durch seine Entspanntheit voll eingeschlagen, trotz dickem Polster hab ich es bis ins Kniegelenk gespürt. Ich glaube einem Menschen, der diese Art des Schlagens und Tretens perfektioniert hat, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Allerdings ist es auch mit einiger Arbeit verbunden, so locker zu werden.
Karl-Heinz: Ich möchte nochmal auf formlose Methoden wie zum Beispiel Systema und auch Torstens Kanzmeiers System zurückkommen. Diese Systeme beruhen auf natürlichen Bewegungen und sollten oberflächlich gedacht leicht zu erlernen sein. Meine Erfahrung ist dagegen, dass “formlose” Kampfkünste schwerer zu erlernen und zu übermitteln sind wie rein technische, weil sie ein hohes Maß an Eigeninitiative in Sachen Erforschung der Prinzipien und des Körpers / Geistes, verstehen der Prinzipien und nicht zuletzt dem Umsetzen der Prinzipien erfordert. Ich habe sogar den Verdacht, dass in den formlosen Kampfkünsten viele Schüler nicht wirklich spontan arbeiten, sondern mit einem Technik Repertuar, welches sie ihren Lehrern abgeschaut haben, was natürlich total am Kern der Sache vorbeigeht. Bei meinem Unterricht liegt der Schwerpunkt auch auf freier Bewegung und ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Schüler damit einfach nicht klar kommen und lieber ein fest vorgegebenes Paket mit festen Techniken einüben, nach dem Schema: “Da weiß man was man hat”. Mich frustriert das immer ein bisschen, weil ich weis, dass man so zwar ein gewisses Level erreichen kann, aber spätestens gegen einen Gegner der vollkommen frei agiert merkt man schon beim Spielen wie eingeschränkt man ist. Ist Deine Einschätzung der angeblich einfachen Erlernbarkeit natürlicher formloser Systeme ähnlich, oder hast Du andere Erfahrungen gemacht? Wenn Du merkst, dass einer Deiner Schüler beim Grapplen immer in der selben Technikschleifen landet, wie befreist Du ihn daraus.
Björn Friedrich: Wie schon gesagt, ich glaube das es für die meisten Menschen einfacher ist, einem technischen Weg zu folgen. Formloses Kämpfen, ist ein Ideal was nur funktionieren kann, wenn man bereit ist, seine Persönlichkeit zu verändern. Für mich zum Beispiel ist es so, das ich schon sehr lange eine Lebensphilosophie habe, die dem formlosen Kämpfen entspricht. Ich konnte meine Kampfkunst nie mit meiner Philosophie in Einklang bringen. “Bring den Kampf zu Boden und beende ihn dort” ist halt kein Lebensmotto.:-) Für mich war es eine Offenbarung als ich wirklich verstanden habe, das ich meine Lebensphilosophie im Kampf einsetzen kann, das ist meine Motivation immer mehr in diese Richtung zu gehen.
Ich glaube das größte Problem ist das Ego. Wer nur trainiert um zu gewinnen, wird nicht zum “Childplay” kommen. Auf der anderen Seite, gibt es auch genug Anhänger der inneren Stile, die eine, wie ich es nenne, künstliche Weichheit benutzen. Es sind aufgesetzte, unnatürliche Bewegungen, langsam ausgeführt.
Kinder spielen anders, leicht, dynamisch, aber vollkommen im Moment involviert. Ich glaube es ist leicht sich in den Inneren Stilen in Illusionen zu verfangen. In den technischen, “harten” Stilen ist es relativ einfach gut zu werden, denn Sparring und hartes Training macht effektiver, auch wenn man nicht wirklich frei wird und sein volles Potential erreicht.
Ich glaube daraus befreien kann ich niemanden, denn viele Schüler sind gar nicht bereit das technische aufzugeben. Ich will Sie durch meine Arbeit inspirieren, ihnen die Freude am Training wieder bringen und ihnen zeigen, das es geht die eigenen Denkmuster zu durchbrechen. Denn eines steht für mich ausser Frage, Training jenseits von Ego und Technik, bringt viel mehr echte Freude und Befriedigung, als das “künstliche” Kämpfen.Auch wenn die Lernkurve am Anfang etwas langsamer ist, hat man eine lebenslange Veränderung. Kraft und Ausdauer sind relativ schnell ausgereizt. Geschicklichkeit hingegen ist eine Fähigkeit die man auch nach 10 oder 20 Jahren Training noch verbessern kann.
Karl-Heinz: Hast Du noch ein paar Tipps an junge Kämpfer die weiter kommen wollen?
Björn Friedrich: Welchen Rat kann ich geben? Ich würde sagen Sie sollen auf ihr Gefühl hören, denn das weiß oft mehr als der rationale Verstand. Angst ist nie ein guter Ratgeber. Ich kann nur von meinem eigenen Leben sprechen. Ich kam mit 17 zum Grappling. Zu dieser Zeit waren gerade Stile wie Wing Chun und Jeet Kune Do populär und BJJ wurde als Fake und unrealistisch bezeichnet. Selbst bekannte Kampfkünstler äußerten sich negativ über BJJ, aber ich sah ein Video und wusste, dass ist mein Stil, also hab ich angefangen zu trainieren, parallel zu meinem Wing Chun Training.
Einige Jahre später stand ich vor der Entscheidung nur noch BJJ zu machen, oder weiterhin auch noch Wing Chun zu trainieren. Allein vom kommerziellen Standpunkt war es damals keine gute Entscheidung mit Wing Chun aufzuhören, denn BJJ war immer noch unbekannt und unbeliebt, aber ich habs getan und nie bereut, weil ich meinem Gefühl gefolgt bin. Heute muss ich oft lachen, denn jeder macht Cross Training und trainiert irgendeine Form des Grappling, denn heute sind die rationalen Beweise für die Effizienz des Grappling so groß das man es nicht mehr ignorieren kann.
Deshalb hab ich auch nicht gezögert mein Training mit Alex Kostic und Torsten Kanzmeier anzufangen. Ich glaube das ist der Anfang in eine neue Richtung und ich gehe den Weg mit viel Freude und Vertrauen, das es für mich das Richtige ist.
Und genau das kann ich einem jungen Kämpfer raten, höre auf den Herz, fühle und opfere nicht deine Gesundheit für dein Ego.
Karl-Heinz: Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Björn Friedrich: Ich bin eigentlich relativ flexibel was meine Pläne betrifft und mache das was mir Spaß macht. Dieses Jahr ist noch ein Fighter-Fitness Buch geplant und nächstes Jahr will ich auch wieder den ein oder anderen Grasppling Kampf bestreiten. Darüber hinaus liebe ich meine Arbeit im Tv und anderen Medien und werde das auch weiterhin forcieren. Und als Kampfkünstler wünsche ich mir in den nächsten 10 Jahren, die gleichen tiefgreifenden Erkentnisse zu machen, wie in den letzten 10 Jahren. Natürlich ist die Richtung eine andere als früher, aber im Grunde genommen geht es darum, frei zu werden und jede Situation, physisch oder psychisch frei und mit viel Vertrauen und Liebe zu begegnen.
Herzlichen Dank für das Interview!
Björn Friedrich und Torsten Kanzmeier werden voraussichtlich im September zusammen ein Seminar geben. Alex Kostic wird Anfang November in der Fighter-Fitness Akademie, in Obertshausen zu Gast sein. Infos dazu gibt es auf der Fighter-Fitness Akademie Website in Kürze.


Das Prinzip ist in der Kunst doch immer das selbe.
Zuerst lernt man die Grundlagen (Technik) und Erfahrung, um danach frei und kreativ nach Gefühl agieren zu können.
Dies ist nicht nur im Kampfsport so, sondern auch bei der Musik oder dem Schreiben.
Was ich kritisch sehe ist ein direktes Lehren des freien kreativen Agierens (nach Gefühl), ohne eine sehr gute Grundlage an Technik und Erfahrung.
Das zwingt Schüler zum Kopieren der Vorgehensweise des Trainers.
Um dem eigenen Gefühl und Körper vertrauen zu können, dass er richtig reagiert, muss er erstmal un/bewusst gelernt haben.
Toller Bericht, Danke!